Bozen – Das Südtiroler Verarbeitende Gewerbe blickt auf ein solides Jahr 2025 zurück – doch für 2026 mehren sich die Anzeichen einer Abschwächung.
Laut aktuellem WIFO-Wirtschaftsbarometer bewerten neun von zehn Betrieben ihre Ertragslage als positiv. Gleichzeitig bleibt der Ausblick von Unsicherheiten geprägt, insbesondere durch geopolitische Entwicklungen.
2025: solide Entwicklung
Gegen Jahresende 2025 haben die Umsätze im Verarbeitenden Gewerbe laut aktuellem Wifo-Wirtschaftsbarometer angezogen. Die Kapazitätsauslastung lag mit 83 Prozent dennoch auf eher niedrigem Niveau. Die meisten Unternehmen (90 Prozent) sind mit ihrer Rentabilität zufrieden – allerdings mit deutlichen Unterschieden zwischen den Branchen.
Besonders gut läuft es im Maschinen- und Fahrzeugbau, in der Lebensmittelherstellung sowie bei Baumaterialien. Uneinheitlich ist die Lage in der Metallverarbeitung. Am schwierigsten bleibt sie in der Textil- und Bekleidungsbranche: Dort berichtet fast ein Drittel der Betriebe von unbefriedigenden Ergebnissen.
Auch beim Export zeigt sich ein gemischtes Bild. Fahrzeuge und Lebensmittel entwickeln sich stark, während elektrische und elektronische Geräte deutlich zurückgehen. Insgesamt erreichen die Exporte – ohne landwirtschaftliche Produkte – rund 6,8 Milliarden Euro (–0,7 Prozent gegenüber 2024).
Die Beschäftigung bleibt weitgehend stabil: 2025 zählt die Branche rund 35.300 Beschäftigte, das sind 0,3 Prozent weniger als im Vorjahr.

2026: stabil, mit zunehmendem Druck
Für 2026 erwarten die Unternehmen eine ähnliche Auslastung wie im Vorjahr – etwa 85 Prozent. Die Ertragslage dürfte für über 90 Prozent der Betriebe zufriedenstellend bleiben. Wachstum bei Umsatz und Beschäftigung kommt vor allem von größeren Unternehmen (ab 50 Mitarbeiter/innen).
Gleichzeitig wächst der Druck: Steigende Betriebskosten – insbesondere für Energie – zwingen viele Betriebe dazu, ihre Preise zu erhöhen. Auch Investitionen könnten sich durch die anhaltende Unsicherheit weiter verzögern.
„Die starken Schwankungen der Energiepreise zeigen, wie wichtig es ist, weiterhin in diversifizierte Energiequellen und in die Erzeugung von erneuerbarer Energie zu investieren. Dadurch wird die Widerstandsfähigkeit der gesamten Wirtschaft gestärkt.“ Michl Ebner
Darauf weist auch Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen, hin: „Die starken Schwankungen der Energiepreise zeigen, wie wichtig es ist, weiterhin in diversifizierte Energiequellen und in die Erzeugung von erneuerbarer Energie zu investieren. Dadurch wird die Widerstandsfähigkeit der gesamten Wirtschaft gestärkt.“
Die Auswirkungen internationaler Konflikte auf die Energie- und Rohstoffpreise drücken auf die Gewinnmargen und führen zu einer Verlangsamung der Produktion im Verarbeitenden Gewerbe.“ Cristiano Cantisani

Vor allem für viele Betriebe wird es schwieriger, auf diese Entwicklung zu reagieren. „Die Auswirkungen internationaler Konflikte auf die Energie- und Rohstoffpreise drücken auf die Gewinnmargen und führen zu einer Verlangsamung der Produktion im Verarbeitenden Gewerbe. Viele Unternehmen, darunter auch kleine, würden gerne investieren, um energieunabhängiger zu werden, finden jedoch keine geeigneten Förderinstrumente. Wir erwarten konkretere Maßnahmen von Provinz und Staat, um diesen Übergang zu erleichtern“, sagt Cristiano Cantisani, Präsident des Südtiroler Handwerkerverbandes.
Das Verarbeitende Gewerbe umfasst die Produktion von Waren – von Lebensmitteln über Textilien und Holzprodukte bis hin zu Maschinen, Geräten und Fahrzeugen.

















